Ausstellungseröffnung "Flucht, Vertreibung und Asyl 1945-2015" in Landau

Veröffentlicht am 19.10.2015 in Veranstaltungen

Text:LNP, Landau, 14.10.2015 / Helmut Schwarzmeier - Foto: Dingolfinger Anzeiger/Hofer 14.10.2015

 

 

Aus Flucht und Vertreibung lernen

Vernissage einer Wanderausstellung im Altenheim – Landau bestand einmal zu 40 Prozent aus Flüchtlingen

 „Aus Flucht und Vertreibung lernen“, so lautet das Motto einer von der Landtagsabgeordneten Ruth Müller im Münsterland entdeckten Ausstellung, die aufgrund ihrer Initiative am Montagabend im Erdgeschoss des Heiliggeist-Bürgerspitals eröffnet wurde. Mit dabei waren Stadtpfarrer Klaus-Ulrich Bomhard, Leiterin Angelica Bauer und Bürgermeister Dr. Helmut Steininger.

„Im Jahr 1945 wurden Flüchtlinge aus den östlichen Gebieten vertrieben. Sie haben in Deutschland eine neue Heimat gefunden. Der Hintergrund unserer Ausstellung ist heute aktueller denn je“, meinte Pfarrer Bomhard. Deswegen werde diese Ausstellung auch im Rahmen der Jubelkonfirmation am kommenden Sonntag im evangelischen Gemeindehaus zu sehen sein.

„Das Seniorenheim ist ein hervorragender Ort, um eine solche Ausstellung zu präsentieren. Schließlich leben hier zahlreiche Menschen, welche die dramatischen Ereignisse in dieser Zeit selbst miterlebt haben. Sie waren von Flucht und Vertreibung betroffen“, betonte Bürgermeister Dr. Helmut Steininger. Damals habe die Bevölkerung der Bergstadt aus zu 40 Prozent aus Flüchtlingen und Vertriebenen bestanden. „Die Schlesier und Sudeten sind damals in eine für sie fremde Welt gekommen. Landau hat viele Bevölkerungsbewegungen erlebt. Seit dem Balkankrieg leben noch etliche Kosovaren bei uns. In den Jahren 1993 bis 1999 kamen die Spätaussiedler aus Russland. Rund 1500 Personen sind auf solche Weise zu uns gekommen, was zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung entsprich. Das lässt mich hoffen, dass wir die gegenwärtige Situation bewältigen können“, meinte das Stadtoberhaupt. Es sei schon fast etwas Normales, dass sich die Bevölkerung verändert. Dennoch sei der Verlust von Heimat immer etwas Dramatisches. 

MdL Ruth Müller, freute sich, dass die Ausstellung in Landau Halt macht. „Ich habe gedacht, es wäre gut, 70 Jahre Flucht und Vertreibung Revue passieren zu lassen. Meine Großeltern und meine Eltern musste damals selbst aus Breslau fliehen“, berichtete die Abgeordnete. Sie selbst hat die Ausstellung erweitert mit Infotafeln von Schicksalen der Asylbewerber aus Eritrea, die im Laabertal gelandet sind. Müller appellierte an die Senioren, ihre Geschichten zu erzählen und niederzuschreiben, damit sie nicht verloren gehen und damit sich diese traurige Geschichte nicht wiederholt.

Wie dramatisch Flucht und Vertreibung sein können, machte die Politikern deutlich anhand der 6600 Flüchtlinge, die am 30 Januar 1945 versuchten, mit der „Wilhelm Gustloff“ in die USA zu kommen. Diese geriet unter den Beschuss eines sowjetischen U-Bootes. Nur 1252 Menschen überlebten. „Viele Heimatvertriebene mussten jahrelang in Auffanglagern oder Baracken leben. Wohn- und Lebensraum musste erst neu geschaffen werden. Die Vertriebenen traf neben den Strapazen der Flucht und dem Verlust der Heimat das Los des sozialen Abstiegs. Sie mussten mit leeren Händen den Neuanfang versuchen“, schilderte Müller die prekäre Lage dieser Menschen.

Unter der Überschrift „Aus Erinnerung erwächst Verantwortung“ thematisiert die Schau auf zwölf Tafeln das Ankommen evangelischer Christen im Westmünsterland. So entstand ein Großteil der protestantischen Kirchenbauten in der münsterländischen Diaspora erst nach 1945. Nach dem Ankommen in der so genannten „kalten Heimat“ (Andreas Kossert) blickt die Ausstellung zudem auf die Verantwortung heutiger Generationen gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund und schlägt auf diese Weise eine Brücke zu Toleranz und Verständnis in historischer Perspektive.

 

 

 

 

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